Legum Allegoriarum Libri I-III (deu)
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105 Er (Gott) sagt nämlich: „An dem Tag, an dem ihr davon esst, werdet ihr des Todes sterben“ (Gen 2,17). Und doch sind sie nach dem Essen nicht nur nicht gestorben, sondern zeugten sogar Kinder und wurden für andere zur Ursache des Lebens. Was soll man also sagen? Dass der Tod ein zweifacher ist: der eine dem Menschen, der andere der Seele (zugehörig). Der (Tod) des Menschen ist nämlich die Trennung der Seele vom Leib; der (Tod) der Seele hingegen ist das Verderben der Tugend einerseits und die Aneignung der Schlechtigkeit andererseits.106 Daher spricht er auch nicht von bloßem Sterben, sondern „des Todes sterben“ – womit er nicht den allgemeinen, sondern den eigentlichen Tod par excellence bezeichnet, nämlich den der Seele, die in Leidenschaften und allen Schlechtigkeiten begraben liegt. Und dieser Tod steht jenem nahezu entgegen: Jener nämlich ist die Scheidung der zusammengesetzten Dinge, Körper und Seele, dieser hingegen umgekehrt die Vereinigung beider – wobei das Schlechtere, der Körper, die Herrschaft ausübt und das Bessere, die Seele, beherrscht wird.107 Wo immer er aber sagt „des Todes sterben“, beachte, dass er damit den Tod zur Strafe meint, nicht den, der von Natur aus eintritt. Der natürliche (Tod) ist jener, bei dem die Seele vom Körper getrennt wird; der Straftod hingegen tritt ein, wenn die Seele dem Leben der Tugend abstirbt und allein (das Leben) der Schlechtigkeit lebt.