Bluesky
Logo: Akademienunion
Logo: Sachsen
Logo: SAW Leipzig
Apocalypse of Sedrach (Apoc. Sedr.) *
Andrej Lacko

1. Name

⁃  Titel nicht erhalten, “Apokalypse des Sedrach“ erschließt sich (vgl. ) und dem Kontext der Himmelfahrt

⁃  Apoc. Sedr.

2. Inhalt

Bei der Apokalypse des Sedrach handelt sich um eine Verschränkung einer (eindeutig christlichen) Homilie mit einer Apokalypse, die ihre eigene Rahmenerzählung hat.

Die Homilie Sedrachs, die zahlreiche biblische (sowohl AT als auch NT) Anspielungen beinhaltet, spricht von der Notwendigkeit aufrichtiger Liebe und deren paradigmatischen Ausdruck im Opfer des Sohnes Gottes (sic!). Am Ende der Predigt vernimmt Sedrach die Stimme eines Engels () und wird in die Gegenwart des Herrn entrückt.

Sedrach befragt den Herrn nach dem Sinn der Schöpfung () und hält ihm die schwierige Lage des Menschen in der Welt vor (). Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem Bösen, beginnend mit dem Sündenfall Adams (). Sedrach fragt klagend: „Wenn du den Menschen geliebt hast, warum hast du dann den Teufel nicht getötet, den Urheber der Gerechtigkeit?“ (), der Herr hingegen betont die Eigenverantwortung des Menschen (: aber nachdem [der Mensch] das Meine selbst genommen hatte, wurde er ein Fremder, ein Ehebrecher und Sünder) mit einer Anspielung an das Gleichnis vom verlorenen Sohn ( vgl. ). Die Problematik des freien Willens wird weiter thematisiert (: Wenn ich ihn [den Menschen] am Fuß festhalte, sagt er, dass du mir keine Gnade in der Welt erwiesen hast. Aber ich habe ihn seinem eigenen Willen überlassen, weil ich ihn geliebt habe.“), bevor schließlich Sedrach Gott um Erbarmen mit dem Menschen bittet ().

Daraufhin beauftragt der Herr seinen eingeborenen Sohn, Sedrachs Seele ins Paradies zu bringen (). Sedrach widersetzt sich jedoch mit Fragen und Klagen, da er sich um das Schicksal der Sünder sorgt. Der Herr verspricht ihm, dass ein Mensch, der nach hundert Jahren der Sünde auch nur drei Jahre Buße tut, gerettet werden soll (12). Auf Sedrachs weiteres Drängen — unterstützt vom Erzengel Michael — reduziert der Herr die erforderliche Bußzeit schrittweise auf zwanzig Tage. Erst dann lässt Sedrach zu, dass seine Seele ins Paradies geleitet wird ().

3. Sprache und Überlieferung

  • „Pseudo-altgrieschisch“ der Byzantiner (Siegert)
  • Einzige Handschrift: Cod. Misc. Gr. 56, fols. 92–100 (Bodleian Library, Oxford)

4. Herkunft

  • Datierung der finalen Version: 10.-11. Jh., mögliche ältere Vorstufen (Agourides); 15. Jh. (Siegert)
  • Entstehungsort: unbekannt
  • Autor: unbekannt
  • Milieu: byzantinisches Christentum (patristisches Griechisch mit modernen Zügen, inkl. Sprachfehler, die auf eine sehr späte Entstehung deuten, e.g. 9,1); in der Forschung wird die Vision Esras als literarische Voraussetzung angenommen, Argumente für jüdische Vorstufen vgl. OTP I, 606–607.

5. Provenienz

  • Sehr spät entstandene christliche Schrift mit möglichem jüdischem Original

6. Bibliographische Verweise

  • EJHS 644–649
  • OTP I 605–613

7. Textausgaben

  • M. R. James, Apocrypha anecdota: a collection of thirteen apocryphal books and fragments, Cambridge 1893.
  • Otto Wahl, Apocalypsis Esdrae. Apocalypsis Sedrach. Visio Beati Esdrae., Leiden 1977, 130–137.

8. Wissenschaftliche Übersetzungen

  • OTP I 609–613

mimi