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Wettkampfmetaphern beziehen sich oft nicht auf eine konkrete Sportart. Ähnlich wie im 1Kor kommen auch in den Quellentexten Metapherncluster mit unterschiedlichen Bildern vor, um dem konkreten Gedanken einen plastischen Ausdruck zu verleihen.
Die detaillierte Kenntnis körperlicher Bemühungen, sei es beim Agon (z.B. ) oder im Gymnasium (z.B. ) zeigt eine enge Vertrautheit Philos mit der hellenistischen Wettkampfpraxis.1A. Wypadlo begründet dies mit zwei sich nicht unbedingt ausschließenden Alternativen: eigener gymnasialer Bildung oder “enorme[r] Belesenheit“ des Philosophen, vgl. Ostmeyer und Wypadlo 2020, 33. Bereits P. Wendland in seiner Ausgabe der Philo Texten stellte die Verbindung der philonischen Agon-Methaphorik zu der „kynisch-stoischen Diatribe.“ (Wendland 1895, 21–24.43f.). Die Verwendung agonistischer Terminologie und Metaphorik im Corpus Philonicum stellt „eine der besten antiken Quellen für verschiedenste Sportarten im Bereich des alexandrinischen Hellenismus“ dar.2Vgl. Ostmeyer und Wypadlo 2020, 7f. Laut M. Brändl sind die Schriften Philos sogar „die größte Sammlung von Agon-Metaphern aller erhaltenen griechischen Autoren“ (225). An vielen Stellen und in vielen Kontexten verwendet Philo Ausdrücke, die aus dem Trainings- oder Wettkampfkontext kommen: H.A. Harris listet in seiner Dissertation „Greek athletics and the Jews“ (1976, 109–117) mehr als 300 Termini mit agonistischer Bedeutung, manche von ihnen so detailliert, dass gewisse Einzelheiten und termini technici antiker Agonistik nur aufgrund ihrer Erwähnung bei Philo bekannt sind.3Vgl. z.B. f., den einzigen antiken Beleg dafür, dass der Schiedsrichter (βραβευτής) die Kämpfenden voneinander trennen konnte (vgl. Brändl 2006, 86f., Poliakoff 1987, 15.196f.201). Mehr als 180 Einzelbelege lassen sich im Corpus Philonicum nachweisen – aus diesem Grund werden sie hier nur zusammenfassend aufgeführt.4Für die gesamte Liste vgl. Harris 1976, 51–95.109–117; Brändl 2006, 87–96; Ostmeyer und Wypadlo 2020, 37–42. Philo kennt den Unterschied zwischen den heiligen Kranzspielen (.; ) und den Preisspielen.5Die agonistischen Festspiele wurden aufgrund der Siegespreise in drei Kategorien unterteilt: 1) Die „Heiligen Kranzspiele (ἱερός ἀγών), zu denen die vier panhellenistichen Agone zählten; 2) Spiele, bei denen es neben Siegeskränzen noch Wertgegenstände oder Geldpreise zu gewinnen gab; 3) Wettkämpfe, bei denen Athleten nur Wertgegenstände oder Geldpreise gewinnen konnten (vgl. Brändl 2006, 225f.; Blech 1982, 109–181). Preise und Belohnungen spielen eine besondere Rolle (βραβεῖον [Preis]: ; ; ; ; στέφανος [Kranz]: ; ; ; ; ; νικτήριον [Siegespreis]: ; ; ἀριστεῖον [Ehrenpreis]: ; ; ; mehrere nebeneinander: ; ).6Vgl. Eintrag zu Jak 1,12 zum „Kranz des Lebens“. Die klassische Dreiteilung der griechischen Agone in gymnische, hippische und musische ist ihm bekannt (),7Vgl. Poplutz 2010, WiBiLex: Die gymnischen Agone (ἀγῶνες γυμνικοί) umfassten die leibliche Athletik im engeren Sinn: Lauf-, Ring- und Kampfdisziplinen (Stadionlauf, Pentathlon, Ringen, Faustkampf, Pankration) sowie den Waffenlauf, die nackt (γυμνός) ausgeübt wurden. Hippische Agone (ἀγῶνες ἱππικοί) bezeichneten die Pferde- und Wagenrennen. Musische Agone (ἀγῶνες μουσικοί) fassten die künstlerisch-intellektuellen Wettbewerbe zusammen (z.B. Kithara- und Aulosspiel, Dichtung, Rhetorik). sein Interesse gilt vor allem dem παγκράτιον (Allkampf: ; ; ; ) und den Laufdisziplinen (στάδιον: ; ; δρόμος: ; ; ; δίαυλος [Doppellauf, ca. 400m]: ; ; ; ; ; δόλιχος [Langlauf, ca. 1300–4600m]: ; ; ; ; ; ; ). Auch über andere Sportarten und die Ausstattung der Athleten ist Philo bestens informiert: Der terminus technicus βαλβίς für die Startschranke befindet sich als Metapher in ; .; in (Allegorie über den Sinn der Asylstädte, vgl. ) findet sich der einzige Beleg für eine Verkürzung der Strecke durch die Versetzung des Wendemals (καμπτήρ). Darüber hinaus verfügt er über präzise Kenntnisse über den Ringkampf (παλή: ; ; παλαίειν: ; .; ; παλαιστής: ; ), seine Regeln () und Techniken (; ; ; ; Würgegriffe: ; ; Todesfälle: ). Nähere Kenntnisse zur Organisation der Wettkämpfe und die nötige Vorbereitung fehlen ebenfalls nicht in seinen Schriften: Schiedsrichter (βραωευτής): ; ; ; ; ; Zuschauer: ; ; ; Preisgeber (ἀθλοθέτης bzw. ἀγωνοθέτης): ; ; Betrieb eines Gymnasiums: ; ; ; ; (vgl. Brändl 2006, 85–90). Einen besonderen Fall stellen die Darstellungen der Erzväter als „Athleten“, die einen Kampfpreis erlangen: (Enosch); (Henoch); ; ; ; ; vor allem aber Jakob als „der Athlet Gottes par excellence“8Brändl 2006, 106, Anm. 129: Es lassen sich etwa einhundert Belege finden, an denen Jakob als ἀσκητής/ἀθλητής (ἀρετῆς) bezeichnet wird, basierend auf der Erzählung der LXX () über seinen Ringkampf (παλαίειν) am Jabbok. Zu Erzvätern als Athleten der Tugend vgl. Brändl 2006, 104–113; Ostmeyer und Wypadlo 2020, 42–44.: ; .; ; .
Josephus betont (), dass den Juden die agonistische Spiele fremd seien. Dennoch befinden sich auch bei ihm Hinweise auf die Einführung der Agonistik im Zuge der Hellenisierung des 2. Jh. v.u.Z. ( vgl. ). Nähere Kenntnisse über agonistische Einzelheiten lassen sich in seinen Schriften auch erahnen, u.a. die Bauwerke, die zu diesem Zweck errichtet wurden (außer z.B. ; ; ..).9Am häufigsten verwendet Josephus agonistische Metaphorik um militärische Zusammenhänge zu beschreiben (z.B. ). Die Praxis einer Teilnahme jüdischer Athleten an heiligen Agonen bestätigt auch die Grabinschrift des Hikesios (etwa Mitte 2.Jh.) . Josephus dürfte außerdem die Tradition vom „Athleten“ Jakob gekannt haben, er beschreibt die Jabbok-Erzählung als Ringen (διεπάλειν) und Siegen (νικάω) Jakobs über den Engel Gottes (vgl. ).10Vgl. Harris 1976, 29–50; Brändl 2006, 115–120. Schon die LXX Übersetzung dieser Geschichte bedient sich agonistischer Sprache: Das Niphal von אבק wird hier zweimal mit παλαίειν (s.o.) übersetzt, und begründet damit die Tradition von Jakob als Athleten Gottes.11Vgl. Brändl 2006, 76–85, der die agonistische Sprache der LXX mit dem Topos des „leidenden Gerechten“ verbindet (vgl. ; Lieder vom Gottesknecht: ; ).
Die Stellen und verbinden den guten Kampf mit Erlangen der Tugend als Siegespreis (ähnlich wie Philo, vgl. ; ), Josephus hat in diesem Zusammenhang „ein besseres Leben“ vor Augen (). ; und befinden sich auch in dieser Traditionslinie. Für diesen Topos wird exemplarisch kommentiert: Nicht nur weist diese Stelle einen ähnlichen Duktus auf wie Paulus (hartes Kämpfen um einen unvergänglichen Preis zu erlangen), sie verbindet darüber hinaus mehrere Aspekte agonistischer Sprache zusammen. ; stehen exemplarisch für Philos Verwendung von agonistischer Metaphorik (s.u.).
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